Züchtung in Hadmersleben eine Erfolgsgeschichte
Hadmersleben gilt als eine der ältesten Zuchtstätten Deutschlands mit über 130 Jahren Tradition.
Es ist ein Ort für die Pflanzenzüchtung und Saatgutvermehrung, deren Leistungen in unserer Zeit durch die wechselvolle Geschichte des Instituts für Pflanzenzüchtung und des Klostergutes geprägt wurden und werden.
Den Grundstein dafür legte der Nestor der deutschen Getreidezüchtung der Naturforscher und Amtsrat Ferdinand Heine jun.(1840-1920) als er im Jahr 1889 seine bis dahin auf dem Rittergut in Emersleben betriebenen züchterischen Arbeiten nach Hadmersleben verlegte und durch den Kauf des ehemaligen Klosters eine neue Saatzucht gründete. Seine Arbeiten waren gekennzeichnet durch Ausleseverfahren alter Landsorten bei Getreide wie Weizen Gerste und Hafer aber auch bei Erbsen, Ackerbohnen und später auch Lupinen. Hier setzte Heine neue Maßstäbe. Er erlangte internationale Anerkennung und erhielt für seine Arbeiten mehrere Grand Prix auf Weltausstellungen in Paris 1900 und St. Louis 1904. Das Getreide bildete immer den Schwerpunkt seiner züchterischen Tätigkeit. Heines Arbeiten waren die Grundlage für eine Züchtungstradition mit wissenschaftlichem Anspruch. Seine Sorten waren nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland gefragt und verdienen Respekt. Sie bilden bis heute die Grundlage für den eigenen Erfolg und den vieler Züchter.
Auch in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde Züchtung und Saatgut Wirtschaft in Hadmersleben mit dem Schwerpunkt Getreide erfolgreich fortgesetzt. Der Züchter und Saatzuchtleiter Franz Vettel führte die neue Kombinationszuchtmethode ein und konnte somit den Ertrag mit vielen marktrelevanten Zuchtzielen wie Resistenzen und Backeigenschaften durch Kreuzen kombinieren.
Die Winterweizen Sorten Heine I bis VI stammen aus dieser Zeit.
Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 wurde im Rahmen der Bodenreform das Klostergut enteignet und die Zuchtarbeit unter staatliche Kontrolle gestellt. 1966 erfolgte der Ausbau in der Kroppenstedter Straße mit Kältekammern und Gewächshäusern zur Generationsbeschleunigung und mit neuen Lagermöglichkeiten.
1969 wurde Hadmersleben dem Institut für Getreideforschung Bernburg angeschlossen und der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR unterstellt. Damit erfolgte erstmals der Zusammenschluss von praktischer Züchtung und wissenschaftliche Grundlagenforschung im Getreide. Ausdruck dieser erfolgreichen Zusammenarbeit war die Zulassung der Braugerstensorte Trumpf 1973 in der Verantwortung von Dieter Lau und der Backweizensorte Alcedo 1974 durch Wolfgang Porsche und ihren Mitarbeitern. Beide Sorten erreichten international große Marktbedeutung.
Dieter Lau und Wolfgang Porsche, sowie Klaus Richter haben sich bleibende Verdienste unter anderem auch durch die Intensivierung der Krankheitsresistenz-, Qualitätszüchtung und Einführung neuer genetischer Selektionsmethoden erworben!
Nach der Wiedervereinigung erfolgte der Zusammenschluss mit der Semundo Saatzucht GmbH, Teil der schwedischen Svalöv Weibull Gruppe zunächst als Marketingpartner und ab ca.2000 als Eigentümer. Der Züchtungsfokus lag in dieser Zeit bei den Kulturarten Winterraps und Winterweizen. In diese Zeit fiel die umfassende Modernisierung und Ausbau des Standortes in der Kroppenstedter Straße.
Neue hochtechnisierten Labore, Klimakammern und Gewächshäuser entstanden. Internationale Züchtungskooperationen auf dem Gebiet der Hybridzüchtung kombiniert mit vielen wissenschaftlichen Projekten sollten die Arbeiten erleichtern und vor allem den Erfolg beschleunigen.
Svalöv Weibull verkaufte 2015 den Standort Hadmersleben und das Winterweizen Zuchtmaterial an den globalen Agrar Konzern Syngenta mit Sitz in Basel. Syngenta etablierte hier ein Teil seines europäischen Netzwerkes. Der Standort wurde für die Vorstufen und Basis Saatgutproduktion ausgebaut. Die Züchtung unter der Leitung von Ebrahim Kazman fokussierte sich auf die Ertragsoptimierung bei Winterweizen.
Aufgrund strategischer Überlegungen hat Syngenta den Standort in Hadmersleben 2022 aufgegeben und damit den Weg freigemacht für Ulrich von Neumann der im gleichen Jahr die Saatzucht Heine Erben gründete.
Durch Ulrich von Neumann, einem Nachfahren Heines, wurde die regionale, traditionsbewusste Pflanzenzucht neu belebt. Es wird sich wieder auf Winterweizen konzentriert und Tradition mit moderner Züchtungstechnologie kombiniert! Viele Kreuzungen werden seit 2023 von einem kleinen Züchtungsteam wieder bearbeitet mit dem Ziel, leistungsfähige und stresstolerante Sorten mit hoher Backqualität für die Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.
Der Züchtungsstandort Hadmersleben verbindet historisches Wissen mit modernen Methoden und regionaler Verwurzelung.
Er ist ein Beispiel dafür, wie private Initiative, internationale Einbindung und lokale Kontinuität gemeinsam eine nachhaltige Pflanzenzüchtung gestalten können.
